Moritz - Flutlicht. UEFA Champions League. Santiago Bernabéu. Real Madrid gegen FC Bayern München. Mehr geht im europäischen Fussball wirklich nicht. Es ist das Spiel der Spiele.
Während Bayern eine starke Saison spielt, ist Real eher durchzogen unterwegs – am Wochenende noch 1:2 in Mallorca verloren. Aber: Real bleibt Real. Gerade in der Champions League sind sie halt immer da, wenn es zählt. Das mussten wir in den letzten Jahren oft genug erleben. Entsprechend war ich trotz Zuversicht auch ein wenig nervös. Hoffnung auf ein Weiterkommen machte mir immerhin, dass das Rückspiel in München stattfindet.
Los ging’s früh. Sehr früh. Dienstagmorgen, 5:30 Uhr, Treffpunkt bei den Parkplätzen am Bahnhof in Rotkreuz. Zu dritt im Auto Richtung Mailand. Am Flughafen stiess noch ein vierter Kollege dazu und wir flogen gemeinsam nach Madrid – gegen Mittag waren wir da. Kurz im Airbnb eingecheckt und dann direkt weiter zum Plaza Mayor.
Mittagessen mit Stil: erstmal acht Flaschen Bier auf den Tisch, bevor überhaupt über Essen gesprochen wurde. Rundherum alles voller Bayern-Fans, angenehme Temperaturen, bisschen Sonne – perfekter Dienstagmittag. Einzig der völlig talentfreie Dudelsackspieler hat etwas genervt… und kaum war der weg, kam schon der nächste, der sich als Möchtegern-Michael-Jackson inszenieren musste.
Kurz darauf kam noch ein fünfter Kollege dazu, und wir zogen weiter in eine Bar – ein paar weitere Biere durften natürlich nicht fehlen. Irgendwann ging’s dann Richtung Stadion, klassisch mit Wegbier.
Auf den Fanmarsch haben wir bewusst verzichtet, um früh im Stadion zu sein und gute Plätze zu sichern. Im Nachhinein die richtige Entscheidung – die teilweise harschen Einlasskontrollen und der Umgang der spanischen Polizei mit friedlichen Bayern-Fans waren einmal mehr fragwürdig.
Für mich war es das erste Mal im Bernabéu – und ich war beeindruckt. Diese sechs Ränge sind schon speziell. Innen ein richtig schönes Stadion, auch wenn mir die alte Aussenansicht besser gefallen hat.
Beim Einlaufen der Spieler präsentierte Real eine riesige Ganzstadion-Choreo. Und dann dieser Moment: Schal hochhalten, Champions-League-Hymne – Gänsehaut, jedes Mal.
Im Vorfeld hatte Oliver Kahn noch gemeint, dass dieses Stadion einen erdrücken kann und es unglaublich schwer sei, im Bernabéu zu bestehen. Und ja – der Rahmen war gross. Aber genau das Gegenteil war der Fall: Unsere Mannschaft zeigte sich komplett unbeeindruckt. Und auch von den Rängen kam von Real-Seite erstaunlich wenig.
Stimmungstechnisch muss man klar sagen: Die Heimfans blieben überraschend leise. Dafür haben wir rund 4’000 Bayern-Fans das Ding übernommen. Der Gästeblock hat 90 Minuten durchgezogen, lautstark, geschlossen, voller Energie. Es ist einfach unbeschreiblich, wenn du mit hunderten anderen deine Mannschaft nach vorne peitschst – jeder war dabei, keiner hat nachgelassen.
Und das hat man auch auf dem Platz gespürt. Unsere Mannschaft startete stark, völlig unbeeindruckt von der Kulisse. Wir spielten uns Chancen heraus, hielten dagegen. Mit der Zeit kam auch Real besser ins Spiel, aber Manuel Neuer hielt mehrfach stark.
Kurz vor der Pause dann die Erlösung: schönes Zusammenspiel zwischen Serge Gnabry und Harry Kane, und am Ende schiebt Luis Díaz zum 1:0 ein. Der Gästeblock? Komplett eskaliert.
Direkt nach Wiederanpfiff dann das nächste Highlight: Michael Olise macht den Arjen Robben – von rechts nach innen gezogen, rüber zu Kane, und der setzt das Ding sauber ins lange Eck. 2:0 im Bernabéu. Ich konnte es kaum fassen.
Danach wurde Real stärker, wie zu erwarten. In der 74. Minute trifft Kylian Mbappé zum Anschluss. Und da war sie wieder, diese leise Angst: kippt das Spiel jetzt doch noch, wie so oft?
Aber diesmal nicht. Unsere Mannschaft blieb ruhig, verteidigte clever und brachte das Ergebnis über die Zeit. Sieg im Bernabéu. Zum ersten Mal seit 25 Jahren. Einfach nur Wahnsinn!
Nach Abpfiff noch Blocksperre, danach raus aus dem Stadion und ein letzter Schlummi in einer Bar in der Nähe. Zurück im Airbnb gab’s zuerst noch schnell die wohl schlechtesten McDonald’s-Pommes aller Zeiten, bevor wir uns für ein paar Stunden hingelegt haben.
Am nächsten Morgen früh wieder los Richtung Flughafen, zurück nach Mailand. Leider waren wir nicht die einzigen auf dem Weg durch den Gotthard – entsprechend hat sich die Rückfahrt gezogen. In Rotkreuz trennten sich dann unsere Wege.
Unterm Strich: ein 38-Stunden-Trip, der sich komplett gelohnt hat. Top Truppe, geiles Spiel, Auswärtssieg. Genau so stellt man sich eine Europapokalreise vor.
Maurice - Ungewöhnlich früh sollte die Reise dieses Jahr nach Madrid gehen – schon im Viertelfinale und nicht erst, wie sonst die letzten Jahre üblich, im Halbfinale. Der FC Bayern konnte am Wochenende zuvor noch spektakulär gegen den SC Freiburg gewinnen, wobei Real gegen RCD Mallorca verlor. Somit reiste man mit entsprechendem Selbstbewusstsein an.
Man traf sich nach ein paar freien und entspannten Ostertagen morgens am Flughafen in Mailand. Warum Mailand? Weil wegen der aktuellen multiplen Krisen die Flüge von München oder Zürich einfach so schweineteuer gewesen wären.
In Madrid angekommen, durften die mitgereisten Mitglieder sehr lange die geballte Inkompetenz von diversen Taxi- & Uber-Fahrern bestaunen, die die Abholzone am Terminal 2 einfach nicht fanden. Nach einiger Zeit folgte eine Uber-Fahrerin dann doch noch einmal einfach dem Navi und fand uns auch.
Die Unterkunft, die wir in fußläufiger Nähe vom Stadion gebucht haben, war für den günstigen Preis echt gut. Wenn man dann noch rechnet, dass mehr Personen schlussendlich dort schliefen als angegeben oder bezahlt, war das fast schon ein Schnäppchen.
Von dort ging es in die Innenstadt, wo vor allem zuerst einmal kühle Hopfensmoothies gesucht und auch gefunden wurden. Der Pegel wurde dann endlich auf Fußball-Spieltagsniveau gebracht und anschließend in weiteren Lokalitäten schrittweise erhöht.
Am Stadion angekommen gab es beim Anstehen noch Gratis-Bier (unser liebstes Getränk) dank eines nicht funktionierenden Karten-Zahl-Geräts. Von den Vorfällen rund um den Wartebereich vor dem Stadion haben wir nichts mitbekommen, da wir direkt zur Öffnung rein sind. Dank moderner Technik haben es auch alle Mitglieder in denselben Block geschafft, wo wir unsere Fahne gut platzierten und dahinter standen.
Die Wartezeit ging schnell rum, bevor die bekannte Madrid-Hymne ertönte. Zu dieser habe ich am nächsten Tag folgendes gelesen, was es einfach sehr gut trifft: „Mein Lieblingsteil an der Real-Madrid-Hymne ist, dass die Hälfte der anwesenden Fans sie weder mitsingen können noch verstehen.“ Das trifft meine Verachtung für diesen Verein und seine Fans sehr diplomatisch oberflächlich.
Der Support im Gästeblock zu Beginn des Spiels war großartig, auch wenn wieder viele pedantische, zum-ersten-Mal-auswärts-dabei-Touristen anwesend waren. In meinem bisher bescheidenen Dasein als FC-Bayern-Fan habe ich die Mannschaft schon oft in Madrid gesehen. Aber noch nie so dominant. So spielerisch ausgereift, mit Zug zum Tor und Selbstbewusstsein. Das braucht es ehrlicherweise auch, um im Bernabéu zu bestehen.
Der Spielverlauf sollte allen bekannt sein: Durch einen überragenden Auftritt und gegen 12 Mann von Madrid (der zwölfte Mann waren definitiv nicht die Fans) konnte man 2:1 gewinnen. Zu den anwesenden Zuschauern im Stadion (Gästeblock ausgenommen) sei gesagt: unterirdisch, traurig, abgehoben, arrogant, nach Spielende sofort weg. Unter aller Sau. Aber da passt der Verein halt zu den „Fans“.
Im Gästeblock ging die Party auch in der Wartezeit nach dem Spiel weiter, bevor man nach draußen gelassen wurde. Auf dem Weg zur Unterkunft wurde dann entsprechend keine Gastronomie mit Schanklizenz ausgelassen, wobei die letzte besonders interessant war: ältere spielsüchtige oder seit langer Zeit dem Alkohol verfallene Spanier, die aber echt freundlich waren. Vor dem Schlafen aßen wir noch rohe Kartoffeln in der Unterkunft.
Geweckt wurden wir zärtlich von einem – ich dachte zuerst, die Hütte fackelt ab oder die Alarmanlage ging an – iPhone-Wecker. Ich wusste gar nicht, dass man so was einstellen kann.
Der Rest des Tages bestand darin, von Madrid zurück nach Mailand zu kommen und dann per Auto weiter nach Zürich, wobei im Stau vor dem Gotthard-Tunnel wenigstens die Leitplanken noch rot-weiß dekoriert wurden.
Eine sehr erfolgreiche, lustige und harmonische Reise. Leider hat unser Präsident gefehlt, dem wir bei der Orga der Reise sowie der Tickets nicht genug danken können!
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Aussagen und Meinungen vom Autor sind als unabhängig vom FC Bayern München Fanclub Zürich zu betrachten und entsprechen nicht zwingend der offiziellen Meinung des FC Bayern München Fanclub Zürich.







