Bericht
Carina - Kiez, Kneipe und Katerstimmung: Pünktlich um 6:30 Uhr stand Thöm, unser allseits geschätzter Freund vom Hotzenwald Hänner, gut gelaunt vorm Haus. Gemeinsam mit Stefan, unserem Südtiroler Mitstreiter, ging es dann los Richtung Flughafen. St. Pauli rief. Und wer wären wir, wenn wir diesem Ruf...
Carina - Pünktlich um 6:30 Uhr stand Thöm, unser allseits geschätzter Freund vom Hotzenwald Hänner, gut gelaunt vorm Haus. Gemeinsam mit Stefan, unserem Südtiroler Mitstreiter, ging es dann los Richtung Flughafen. St. Pauli rief. Und wer wären wir, wenn wir diesem Ruf nicht folgen würden?
In Kloten angekommen, wartete Marcel bereits am vereinbarten Treffpunkt auf uns. Mit einem Gesichtsausdruck, der erahnen liess, dass fünf Minuten mehr Schlaf auch seinen Tag gerettet hätte. Aber hey, Auswärtsfahrten sind in der Regel nun mal nichts für Langschläfer.
Nach einer Sicherheitskontrolle, die so unspektakulär war wie ein Fernsehabend mit Standbild, schleppten wir uns Richtung Gate. Immer wieder begegneten uns auch die ein oder anderen St. Pauli-Fans, doch der eigentliche Schock stand noch bevor: Unser Flieger, gekleidet im BVB-Outfit. Ernsthaft jetzt? Ein bisschen Provokation am frühen Morgen oder wie dürfen wir das verstehen? Kurz haben wir überlegt, ob wir noch schnell ein Auto mieten sollen, um damit in den Norden zu fahren, aber dann fiel uns wieder ein: Auswärtsfahrten (oder eben Flüge) müssen eben wehtun!
Während wir aufs Boarding warteten, tauchte auch noch Jon auf, der ebenfalls zum Spiel kam, aber leider einen anderen Flug buchen musste. Sein Blick auf unseren schwarz gelben Vogel liess ihn jedoch zum ersten Mal froh aussehen, doch nicht mit uns fliegen zu können.
In Hamburg angekommen, machten Stefan und ich uns direkt auf zum Hotel, während Marcel und Thöm am Flughafen warteten, um Jon in Empfang zu nehmen. Anschliessend bezogen auch die drei ihr Quartier – strategisch perfekt am anderen Ende der Stadt. Während der Mittagsmampf noch in getrennten Lagern ablief, fand sich unsere Truppe schliesslich vorm Stadion wieder zusammen: bereit für Fussball, Kaltgetränke und gute Stimmung.
Um 15.30 Uhr war alles angerichtet für ein Fussballfest im ausverkauften Millerntor-Stadion. Doch trotz der leidenschaftlichen Unterstützung der Heimfans, blieb die Sensation aus. Jamal Musiala erzielte in der 22. Minute per Traumtor aus knapp 30 Metern das 1:0. Der Ball prallte spektakulär von der Unterkante der Latte ins Netz und liess die St. Pauli-Fans verstummen.
Die Kiezkicker hielten defensiv tapfer dagegen und sorgten vor allem bei Standards für Gefahr. Doch die Offensive des Aufsteigers blieb ohne Erfolg, sodass es beim 1:0 blieb. Unsere Mannschaft zeigte zwar nicht die Leistung, die man von einem Tabellenführer erwartet, dennoch holten wir den fünften Sieg in Folge.
Nach dem Spiel machten wir uns – aus gesundheitlichen Gründen leider ohne Thöm – auf die Suche nach einem Restaurant. Nach einem Marsch von etwa 40 Minuten wurden wir tatsächlich fündig und gönnten uns ein feines Essen. Der eigentliche Plan, danach noch mit Cocktails anzustossen, wurde jedoch von dem jungen Herrn am Nachbartisch zunichtegemacht: Er demonstrierte eindrucksvoll, warum Fussballfans an manchen Orten unerwünscht sind. Sein Mageninhalt landete elegant auf dem Boden und unbeeindruckt davon, spülte er die Aktion mit einem Bier runter.
Inmitten dieses Chaos tauchte Detlef auf, der übers Wochenende ebenfalls in Hamburg weilte. Dennoch war für mich der Moment gekommen, die Flucht zu ergreifen. Ich zog alleine los, begrüsste in zwei Pubs noch Freunde vom Fanclub Bierstüberl und versuchte den Abend mit mehr Stil abzuschliessen, als unser Nachbartisch im Restaurant ihn je hatte.
Etwa dreissig Minuten später trudelten auch Stefan, Detlef, Jon und Marcel ein und so feierten wir noch einige Stunden in der Kneipe «Zum Silbersack». Weitere Details des Abends lasse ich an dieser Stelle gerne aus. Nicht, weil es ein Geheimnis ist, sondern weil Hamburg eben Hamburg ist. Oder vielleicht auch, weil meine Erinnerungen ab einem gewissen Zeitpunkt so sind, wie das Deutsche Netzwerk: lückenhaft und unzuverlässig. Jedenfalls nochmals ein Dankeschön an Stefan, der die ehrenvolle Aufgabe übernahm, mich irgendwann sicher ins Hotel zu bringen.
Obwohl der Rückflug am Sonntag erst um 13:40 Uhr anstand und wir somit ausschlafen konnten, fühlten wir uns keineswegs frischer als am Vortag. Zumindest mein Kopf brummte ordentlich und ich hatte die berechtigte Angst, dass mir im Flugzeug dasselbe Schicksal blühen könnte wie unserem Kollegen im Restaurant. Glücklicherweise blieb mir das aber erspart und wir landeten ohne Überraschung, dafür pünktlich und sicher in Zürich.
Ein grosses Dankeschön an alle Beteiligten - ob aus Zürich, Oberbayern, dem Schwarzwald oder Südtirol - für dieses grossartige Wochenende.
PS: Wieso waren in meinem Bett diverse Rosen?
PPS: Weshalb war der Zimmerboden von Marcel plötzlich nass?
PPPS: Warum waren nach diesem Wochenende eigentlich alle krank?
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